Code wird billiger. Domänenwissen nicht.

12.05.2026

Wer heute mit Coding-Agenten arbeitet, erlebt etwas Ungewohntes: Die Umsetzung ist selten noch der Engpass. Ein Formular, eine Schnittstelle, eine Auswertung – was früher Tage kostete, steht in Stunden. Das verändert, worauf es in Softwareprojekten ankommt.

Billig ist, was eindeutig ist

Ein Agent ist hervorragend darin, eine klar beschriebene Aufgabe umzusetzen. Er ist schlecht darin zu bemerken, dass die Aufgabe falsch beschrieben ist. Er baut die Rechnung mit Rabatt, wie verlangt – und fragt nicht, ob der Rabatt vor oder nach der Steuer gilt, ob er auf einer Gutschrift negativ wird oder ob er nach dem Abschluss noch geändert werden darf.

Diese Fragen sind keine Programmierfragen. Es sind Fragen über die Domäne. Und ihre Antworten entscheiden, ob die Software im Alltag trägt oder nach drei Monaten neu geschrieben wird.

Das Modell ist das Produkt

Je billiger der Code wird, desto mehr verschiebt sich der Wert in das, was vor dem Code liegt: die Begriffe, die Zustände, die Regeln, die Ausnahmen. Ein gutes Domänenmodell macht Umsetzung billig, weil jede Aufgabe eindeutig wird. Ein schlechtes macht sie teuer, egal wie schnell der Agent tippt – er baut dann eben schnell das Falsche.

Deshalb verbringe ich am Anfang eines Projekts erstaunlich wenig Zeit mit Technik. Ich will verstehen, wie ein Prozess wirklich läuft, nicht wie er im Handbuch steht: wo die Ausnahmen sind, welche Zahlen nachvollziehbar sein müssen, wer was entscheiden darf.

Was daraus folgt

Für Unternehmen heißt das: Das eigene Fachwissen ist mehr wert als je zuvor – vorausgesetzt, es lässt sich präzise machen. Für Entwickler heißt es: Die Fähigkeit, ein Problem zu verstehen und sauber zu modellieren, wird zur Kernkompetenz. Syntax war nie der schwierige Teil. Jetzt sieht man es nur deutlicher.